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Versuch als gescheitert anzusehen
Stellungnahme zur geplanten Wohnbebauung auf dem ehemaligen Fella-Gelände

Die SPD-Fraktion hatte 2009 den Versuch unterstützt, auf dem Gebiet des ehemaligen Fella-Geländes  Wohnbebauung insbesondere für junge Familien zu ermöglichen. Jetzt sehen wir diesen Versuch als gescheitert an.

Folgende Überlegungen sprachen dafür:  Heute ist es teilweise schwierig für junge Familien ohne großen Geldbeutel, in Feucht attraktiven Wohnraum zu erwerben. Umliegende Gemeinden haben da die besseren Angebote. Ohne ein solches Angebot wird die Marktgemeinde durchschnittlich immer älter werden. Dies kann langfristig Konsequenzen für den Erhalt unserer Kindergärten und Schulen haben. Zudem würden zusätzliche neue Mitbürger auch die Kaufkraft des Ortes stärken und somit beitragen, die Geschäftswelt im Ortskern zu stabilisieren. Der Markt Feucht bietet mit seiner Nachbarschaft zu Nürnberg, seiner guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und seiner guten Infrastruktur insbesondere im Bereich der Kindertagesstätten und Schulen beste Voraussetzungen.

Der SPD war jedoch bereits damals bewusst, dass eine Wohnbebauung mit Problemen verbunden sein würde. Sie hatte deshalb ihre Zustimmung im Marktgemeinderat an Bedingungen geknüpft.

Nur gesundes und insbesondere für junge Familien attraktives Wohnen sollte entstehen. Uns war klar, dass die einzelnen Grundstücke relativ klein werden würden. Der Bestand und die Weiterentwicklung der umliegenden Sportvereine, Firmen und des Tierheims dürfe nicht gefährdet werden. Und zuletzt, sollte der Versuch scheitern dürfe es nicht zu Schadensersatzforderungen an die Gemeinde kommen. Über diese drei Bedingungen bestand Konsens im Marktgemeinderat.

Im Verlauf des Planungsverfahrens traten aber immer wieder neue Schwierigkeiten auf, die insbesondere durch das Bestreben nach höchstmöglichem Profit durch den Investor und die fast bedingungslose Unterstützung des Investors von Bürgermeister und CSU-Fraktion nicht zufriedenstellend gelöst werden konnten. Vor einigen Jahren wurde das Gelände der ehemaligen Fella dem Markt Feucht günstig zum Kauf angeboten. Leider ließ sich der Bürgermeister die diese günstige Gelegenheit durch Untätigkeit entgehen. Dann hätte der Markt Feucht selbst die Planung der Hand gehabt, ohne von einem Investor abhängig zu werden.

Zur Verhinderung eines großflächigen Supermarkts musste sogar ein Bürgerbegehren erfolgreich durchgeführt werden, um Investor und CSU zur Umkehr zu bewegen. (Anmerkung: Dieser Supermarkt wäre extrem kontraproduktiv zum Ziel der Stabilisierung der Geschäftswelt im Ortskern gewesen.) Nach langen Verhandlungen kann sich jetzt die heutige Fella erweitern, so dass zum Vorteil des Tierheims zwischen der beabsichtigten Wohnbebauung und dem Tierheim ein größeres Gewerbegebiet einen Puffer bilden würde. In den letzten Monaten betrieb die Verwaltung eine restriktive Informationspolitik. Die SPD-Fraktion erfuhr erst durch Besuche bei den betroffenen Firmen von deren Problemen mit der neuen, an sie nahe heranrückenden Wohnbebauung.

Ein kritischer Punkt ist die Lärmbelastung im Wesentlichen durch den nächtlichen Güterverkehr auf der Eisenbahnstrecke nach Regensburg. Ein neues Gutachten errechnet nur noch eine Überschreitung von 4 dB. Schon das bedeutet mehr als eine Verdoppelung der Schallmenge. Und Ausgangspunkt für die Annahme der 4 dB sind die Istwerte 2010 und nicht etwa zu erwartende Prognosewerte für 2020 oder 2025. Alle Prognosen gehen von einer starken Steigerung des Güterverkehrs aus, insbesondere wenn sinnvoller Weise mehr Gütertransporte von der Straße auf die Schiene verlagert werden.

Um die im Gutachten angesetzten Werte überhaupt erreichen zu können, muss das Wohngebiet von einer sogenannten „Riegelbebauung“ von drei Seiten umschlossen werden. Dies sind Häuser, die z.B. in Richtung Fella auf ihrer Südost-Seite überhaupt keine Fenster haben dürfen und sich somit nur nach Nordwesten öffnen. Attraktives Wohnen sieht anders aus. Die anderen Wohnhäuser profitieren zwar beim Lärm von dieser Riegelbebauung, werden von ihr aber auch optisch eingezwängt.

Preisgünstiger Wohnraum ist nur bei einer verdichteten Bauweise möglich. Mit dem Bebauungsplan wird die Verdichtung weit überzogen. Häuserzeilen von 80m Länge ohne Unterbrechung oder vorgeschriebenen Versatz schaffen eine lagerartige Wohnsituation.

Das beabsichtigte Wohngebiet soll für junge Familien mit Kindern konzipiert sein, Spielplätze gerade für Kinder sind jedoch nicht vorgesehen. Ein paar Wipptiere an Wegesrändern sind kein Ersatz.

Jetzt liegen allen Mitgliedern des Marktgemeinderats die Einwendungen und die Antworten der Verwaltung darauf auf dem Tisch. Daraus ergibt sich, dass nicht nur die SPD-Fraktion und die Grünen im Marktgemeinderat sowie die betroffenen Firmen den Bebauungsvorschlag äußerst kritisch sehen, sondern auch viele andere.

So sieht es der technische Leiter des Landratsamts „weder zwingend noch geboten, ein neues Wohnbaugebiet in unmittelbarste Nachbarschaft an eine bestehende gewerbliche Fläche heran zu planen.“ Auch die Riegelbebauung zur Fella sei „kein hinreichend geeignetes Mittel, um den Trennungsgrundsatz Genüge zu tun und gesunde Wohnverhältnisse zu gewährleisten.“ Er folgert, falls in diesem Bereich keine Änderung der Planung erfolgt „bestehen erhebliche Bedenken (…) dahingehend, ob ein sachgerechter Abwägungsvorgang rechtssicher dargestellt werden kann.“  Seine Aussage gipfelt in dem Satz „Insgesamt wird das Schutzgut Mensch in diesem Zusammenhang aus fachlicher Sicht unterbewertet.“

Die Regierung von Mittelfranken kritisiert wie die SPD, dass nicht nur für den neuen Spielplatz viel Wald verbraucht werden wird, sondern dass im Flächennutzungsplan das gesamte Areal nördlich des TSV-Geländes als Grünfläche zu Sportzwecken dargestellt werden soll und damit langfristig der Wald verloren gehen wird.

Auch die angrenzenden Firmen Excella und Fella, sowie das Tierheim erheben Einwendungen, die nicht in vollem Umfang ausgeräumt werden und die zu massiven Beeinträchtigungen für sie in der Zukunft führen können.

Die jetzt vorliegenden neuen Einwendungen des Landratsamts, der Regierung von Mittelfranken, sowie der Firmen Excella und Fella und des Tierheims, sowie die aus unserer Sicht ungenügenden Antworten darauf haben bei uns zu dem Entschluss geführt, diesem Vorhaben, so wie es jetzt geplant ist, nicht mehr zuzustimmen. Wir sehen diesen Versuch, auf dem ehemaligen Fella-Gelände gesundes und attraktives Wohnen zu ermöglichen, heute als gescheitert an.

Auch ohne Wohnbebauung auf dem ehemaligen Fella-Gelände hat Feucht noch gute Entwicklungschancen. Durch Nachverdichtung in bestehenden Wohngebieten, durch Nutzung der noch vorhandenen (kleinen) Freiflächen kann Feucht auch für junge Familien attraktiv gehalten werden. Dafür setzen wir uns weiterhin ein. Und da ist mehr möglich als in der Begründung des Bebauungsplans ausgeführt ist.

Lothar Trapp