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SPD will keine Konkurrenz zum Ortskern
Keine Ansiedlung großer Märkte auf dem ehemaligen Fella-Gelände

Verbrauchermarkt oder Discounter können im Rahmen der Bebauung des ehemaligen Fella-Geländes ohne gravierende Rückwirkung auf den Ortskern angesiedelt werden können, behauptet ein Gutachten der GfK Nürnberg. Die SPD Feucht hat daran begründete Zweifel und ist gegen große Märkte auf diesem Gelände und kann dort nur reine Nahversorgung akzeptieren.

Der Markt Feucht hat bei der Gesellschaft für Konsumforschung GfK in Nürnberg ein Gutachten zur Nutzung des umstrittenen Sondergebiets auf dem ehemaligen Fella-Gelände angefordert und vom vorgesehenen Investor bezahlen lassen.

In diesem Gutachten wird vom Bau von 350 Reihenhäusern und einem Bevölkerungszuwachs von 1500 Personen ausgegangen. Diese Zahl ergibt sich aus der Annahme von durchschnittlich 2,2 Kindern pro Haushalt – eine Zahl, die SPD-Marktgemeinderat Lothar Trapp für viel zu optimistisch hält bei einem sonst bekannten Durchschnitt von nur 1,2 Kindern pro Haushalt. Diese Zahl sei auch nicht nachhaltig, denn seien die Kinder groß, gingen sie aus dem Haus und die Bevölkerungszahl sinke wieder. Nicht ausreichend berücksichtigt scheint auch der demografische Wandel, der auch in Feucht nicht spurlos vorüber gehen wird. Durch diese zu optimistischen Annahmen wird in diesem Gutachten ein verträglicher Zuwachs an Verkaufsfläche von 1600 m2 berechnet. Dabei bedeutet „verträglich“, dass das Ortszentrum einen Kaufkraftverlust von bis zu 10% hinnehmen müsste. Gleichzeitig bestätigt aber das Gutachten, dass Feucht „über ein breites Angebot sowie eine räumlich an sich gut verteilte Versorgungsstruktur im periodischen Bedarfsbereich“ verfüge und die Verkaufsfläche pro Einwohner dafür bereits jetzt überdurchschnittlich sei.


Geplantes Sondergebiet (SO) für die Nahversorgung, das aus Sicht der SPD viel zu groß dimensioniert ist.

Das Gutachten geht nach Meinung der SPD Feucht von einer falschen Zielsetzung aus. Das Ziel könne nicht sein, auszuloten, was man dort maximal an Verkaufsfläche ansiedeln könne, um unter einem relevanten Kaufkraftverlust von 10% im Ortszentrum zu bleiben Dieser Zielsetzung des Gutachtens wird grundsätzlich widersprochen. „Die SPD Feucht will nicht, dass die gesamte Kaufkraft durch das zusätzliche Wohngebiet durch Märkte nur dort abgeschöpft wird, oder sogar Kaufkraft dorthin verlagert wird. Die gegenteilige Zielsetzung ist die der SPD Feucht: Durch das neue Baugebiet soll auch das neu gestaltete Ortszentrum gestärkt und nachhaltig gesichert werden“, betont die Ortsvereinsvorsitzende Inge Jabs.

Dazu setzt sich der Markt Feucht auf Initiative der SPD-Marktgemeinderatsfraktion ein, das heutige Norma-Areal zu sanieren, um dort einen größeren und attraktiveren Markt mitten im Ort anzusiedeln. Zusätzliche Märkte an der Peripherie werden dann nicht mehr gebraucht und könnten sogar dieses wichtige Vorhaben scheitern lassen, ist die Meinung auch der Arbeitsgemeinschaft Feuchter Gewerbe (AFG).

Ein weiteres Problem liegt in der zeitlichen Abfolge. Wenn noch in 2009 oder Anfang 2010 eine Baugenehmigung für einen Verbrauchermarkt oder Discounter erteilt werden würde, könnte dieser schon Ende 2010 in Betrieb gehen. Solche Märkte „von der Stange“ lassen sich in kürzester Zeit hochziehen, und dann steht noch kein einziges Wohnhaus auf dem ehemaligen Fella-Gelände. Damit würde dieser neue Supermarkt in volle Konkurrenz zum Ortskern treten – und die Befürchtung nicht nur der SPD ist – dass dann eine Sanierung des Norma-Areals scheitern würde, sie mittelfristig dort verschwinden würde und auch noch weitere Einzelhändler aufgeben würden. Das Feuchter Ortszentrum hat schon in der jüngsten Vergangenheit Lebensmittelmärkte im Zentrum verloren, das darf sich nicht wiederholen. Eine Verödung des Ortskerns wäre das Horrorszenario.

Der Investor hat auf der Sitzung des Ortsmarketing-Beirats sehr deutlich gemacht, dass er überhaupt nicht daran interessiert ist, ein lebendiges Ortszentrum in Feucht zu erhalten und zu fördern. Ihm geht es um die Vermarktung des Sondergebiets zu einem möglichst hohen Preis. Und einen Verkaufserlös von 2,5 bis 3 Millionen Euro könne er, nach seiner Aussage, nur durch einen Discounter oder Vollsortimenter erzielen, wenn dieser eine große Verkaufsfläche erhalte. Dabei geht er von noch größeren Verkaufsflächen aus, als es selbst das Gutachten für „verträglich“ hält. Einer Ausgleichszahlung des Markts Feucht, damit er seine großräumigen Supermarkt-Pläne nicht weiterverfolge, sei für die SPD völlig inakzeptabel. Dies hatte der Investor bei der Vorstellung des GfK-Gutachtens gefordert. Das Interesse des Investors ist nicht das Interesse der SPD Feucht, ist nicht das Interesse der Feuchter Bürgerinnen und Bürger und darf nicht das Handeln des Markts Feucht bestimmen.

Das Gutachten favorisierte eine Variante 5, bei der der Edeka-Markt unter Vergrößerung auf 1400 m2 Verkaufsfläche von der Nürnberger Straße in das ehemalige Fella-Gelände umzieht und am alten Standort in der Nürnberger Straße ein Diska-Markt (auch aus dem Edeka-Konzern) verbleibt. Diese Variante ist für die Feuchter SPD nicht lebensfähig, der Diska-Markt werde sich nicht halten und die Kaufkraft-Verlagerung aus dem Ortszentrum an die Peripherie wäre immer noch zu hoch. Und wer dann die Nachfolge dieses Markts antrete, könne der Eigentümer frei entscheiden, der Markt Feucht habe keine Mitspracherechte in diesem Fall.

Ein weiterer Mangel des Gutachtens ist, dass es keinen Vergleich mit dem Istzustand erlaubt. Auch ist die Alternative keinen Supermarkt, sondern wirklich nur kleine Nahversorgung zu erlauben, nicht enthalten. Auch die Auswirkung der geplanten Sanierung des Norma-Areals. das zu einer Vergrößerung der Verkaufsfläche um rund 450 m2 mitten im Ort führt, ist nicht ausreichend berücksichtigt.

Die SPD könne nur einer sehr maßvollen Nahversorgung im Rahmen der Bebauung des ehemaligen Fella-Geländes zustimmen. Zum Beispiel Filialen der örtlichen Bäcker und Metzger würden gut passen. Dort an der Peripherie weitere große Verbrauchermärkte anzusiedeln, wird abgelehnt. Das Ortszentrum muss nachhaltig gestärkt und nicht geschwächt werden. Es macht keinen Sinn, mit viel Geld den Ortskern baulich attraktiv zu machen und anschließend wirtschaftlich auszutrocknen. Zu einem attraktiven Ortszentrum gehören attraktive Einkaufsmöglichkeiten und das hat für die SPD Feucht eindeutig Vorrang. Die Marktgemeinderatsfraktion und der Vorstand der SPD stimmen darin mit der AFG überein, wie sich in einer gemeinsamen Diskussion gezeigt hat.

Wenn dies mit dem aktuellen Investor nicht möglich sein sollte, dann könnte der Markt Feucht das Gelände erwerben und dort nach seiner Zielsetzung eine Wohnbebauung realisieren, schlagen SPD und AFG vor.

Lothar Trapp