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Kompromissfähigkeit gefragt
Geplanter Verbrauchermarkt kontraproduktiv


Im Boten des 11. November legte der Feuchter Bürgermeister seine Sicht der Dinge zum geplanten Bebauungsplan für das ehemalige Fella-Gelände dar. Falsche Daten, Halbwahrheiten und Fehleinschätzungen führen hier zu falschen Schlussfolgerungen und Entscheidungsvorlagen im Marktgemeinderat.

Unstrittig ist, dass die demografische Entwicklung auch Feucht betreffen wird. Unstrittig ist, dass Feucht kaum noch größere Flächen für Wohnbebauung aufweist außer auf dem ehemaligen Fella-Gelände. Unstrittig ist außerdem, dass durch den Ausbau der Norma der frisch sanierte Ortskern weiter gestärkt werden soll.

Strittig ist im Wesentlichen, dass auf dem ehemaliges Fella-Gelände ein großflächiger Supermarkt mit 1400 m2 entstehen soll. Mittlerweile sollte sich auch im Rathaus herumgesprochen haben, dass die Basis für das dafür entscheidende GfK-Gutachten veraltet ist – der Verlust an Einwohnern in Feucht wird stärker sein als angenommen. In der Begründung für den Entwurf des Flächennutzungsplans wird zusätzlich prognostiziert, dass der Bedarf an Wohnraum pro Einwohner weiterhin steigen wird. Dies vermindert den durch das neue Wohngebiet erreichbaren Zuwachs an Einwohnern zusätzlich.

Zusammen mit der viel zu optimistischen Annahme der Kinderzahl pro Haushalt durch den Investor wird ein „verträglicher“ Zuwachs an Verkaufsfläche von 1600 m2 errechnet. Und „verträglich“ heißt hier, dass der Umsatzeinbruch im Ortskern 10% nicht überschreiten soll.

Zusammen mit der geplanten und gewollten Erweiterung der Norma im Ortszentrum Feucht besitzt Feucht bereits heute ausreichend Verkaufsfläche für Einzelhandel. Dies wird sogar ausdrücklich durch das GfK-Gutachten bestätigt.

Resultat ist, dass ein neuer Verbrauchermarkt entstehen soll in einer Größenordnung, die nicht dem erforderlichen Zuwachs an Einwohnern entsprechen wird und die damit zu höheren Umsatzeinbußen im Ortszentrum führen wird als das Gutachten schon prognostiziert. Ein neuer Supermarkt an der Peripherie wird dem Zentrum schaden.

In seiner Stellungnahme spricht der Bürgermeister von einer „Verlagerung“ des Edeka-Markts, verschweigt aber, dass damit eine Vergrößerung auf 1400 m2 einhergehen soll. Und dass auf dem Gelände des jetzigen Edeka-Markts bei einem Wegzug von Edeka kein anderer Einzelhandel entstehen soll, ist wohl ein Wunsch von Bürgermeister und CSU. Der Bürgermeister selbst hat aber auf der letzten Sitzung des Marktgemeinderat zugeben müssen, dass sein Einfluss und die Möglichkeiten des Markts Feucht dies zu steuern äußerst gering seien.

Das Bürgerbegehren spricht sich vehement gegen einen neuen Supermarkt auf dem ehemaligen Fella-Gelände aus. Die Formulierung des Bürgerbegehrens musste allerdings aus rechtlichen Gründen den gesamten Bebauungsplan zum Thema machen. Das Herauslösen eines Punktes im Rahmen eines Bürgerbegehrens und Bürgerentscheids aus der Abwägung eines Bebauungsplans haben leider Bayerische Verwaltungsgerichte in der Vergangenheit zurückgewiesen. Von Anfang an war und ist es Absicht des Bürgerbegehrens einen Supermarkt zu verhindern, aber eine Wohnbebauung ermöglicht, die den Bestand von TSV, Fella und Tierheim nicht behindert. Dies ist allen bewusst und allgemein bekannt. Wer hier etwas anderes sagt oder in die Formulierung des Bürgerbegehrens interpretiert, verdreht die Wahrheit.

Lösungen der anstehenden Probleme sind aus meiner Sicht möglich. Kompromissfähigkeit und nicht Starrköpfigkeit sind jetzt angesagt. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens haben deutlich gesagt, dass eine Wohnbebauung auf dem ehemaligen Fella-Gelände gewollt ist.

Lothar Trapp
SPD-Marktgemeinderat
Feucht